
Displays hängen heute am Netzwerk, Räume müssen auf Knopfdruck funktionieren und auf der Baustelle zählt jede Stunde. Gezim Zekiri, Lead ProAV & Communication bei Alltron, ordnet ein, was Pro-AV-Projekte bremst und was Integratoren im Alltag tatsächlich hilft.
Die Halterung passt nicht zur Wand. Im Möbelbau fehlt die Strom- und Signalzuführung. Und die Schlüsselkomponente hängt im Lieferverzug. Gezim Zekiri kennt solche Situationen aus seinen Jahren auf Integratorenseite. Wenn dann der Zeitplan drückt, «brennt der Baum».
Seit Januar ist Zekiri bei Alltron. Davor arbeitete er bei AV/IT-Distributoren und bei Integratoren. Seine These: Die grössten Risiken in Pro-AV-Projekten liegen an den Schnittstellen, nämlich zwischen den Gewerken, zwischen AV und IT und zwischen Lieferanten und Baustelle.
Ein Display ist heute eine Netzwerkkomponente
Zekiri beobachtet eine klare Verschiebung im Markt. Entscheidend sei immer weniger, wie viel Hardware verbaut wird. Gefragt seien Bedienfreundlichkeit, Modularität und Ästhetik. Unsaubere Installationen und sichtbarer Kabelsalat würden von der Kundschaft nicht mehr akzeptiert.
Gleichzeitig wächst das Einsatzfeld über das klassische Sitzungszimmer hinaus. Dazu gehören Digital-Signage-Architekturen, interaktive Lernumgebungen in Schulen, Experience Center und Leitstände. KI kommt als Treiber hinzu, etwa für automatische Bildregie, Sprachverbesserung, Übersetzungen oder die Überwachung von Systemen.
Technisch hängt alles am Netzwerk. Es transportiert Video, Audio und Steuersignale. Ein Display, ein Signage-Player oder eine Videobar ist damit eine vollwertige Netzwerkkomponente.
Zekiri bringt diese Gemengelage auf eine einfache Formel: Integratoren müssen heute zwei Sprachen beherrschen. Mit der IT-Abteilung verhandeln sie über Netzwerke und mit dem Facility Management über Hardware. Ihre Kernkompetenz bleibt trotzdem die Integration im Raum, also Akustik, Displaydiagonale, Lichtverhältnisse und Bedienung vor Ort.
Unterschätzt: Akustik und der Betrieb nach der Übergabe
Auf die Frage, was in Projekten am meisten unterschätzt wird, nennt Zekiri zwei Punkte. Der erste ist die Raumakustik. « Was nützt das beste 4K-Bild, wenn der Ton hallt? Oder wenn man in der Videokonferenz kaum etwas versteht, weil die Akustik nicht stimmt?»
Der zweite ist der Betrieb nach dem Kauf. Eine grosse Flotte von Displays und Systemen bringe wenig, wenn bei einem Ausfall niemand eingreift. Die Lösung sieht Zekiri in intelligentem Monitoring und KI-gestützter Predictive Maintenance, also vorausschauender Wartung: Fehler sollen erkannt und behoben werden, bevor die Endkundschaft sie überhaupt bemerkt. In dieser Form gibt es das allerdings noch nicht, viele Hersteller arbeiten erst daran.
Daraus leitet Zekiri eine Empfehlung für Investitionsentscheide ab: Räume sollten vom Nutze n her geplant werden statt von der Datenblatt-Wunschliste. Zuerst gelte es zu klären, wie ein Raum genutzt wird, erst dann folge die Wahl der Geräte. Hardware verändert sich schnell. Eine durchdachte Grundinfrastruktur mit sauberen Kabelwegen, guter Akustik und flexiblen Signalwegen halte dagegen über Jahre. Modulare, erweiterbare Architekturen schützen die Investition.
Gut aufgesetzt heisst: das Gesamtkunstwerk planen
Ob ein Projekt gelingt, entscheidet sich früh. Gut aufgesetzt sei es dann, wenn Architektur, Raumakustik, Licht, IT-Netzwerk und das konkrete Nutzungsszenario als Einheit betrachtet werden. Dass der Integrator weiss, wie die Menschen vor Ort im Alltag mit der Anlage arbeiten, sei ebenso wichtig.
Vor Produktauswahl und Offertestellung klären
- Wer bedient die Anlage: Technikprofis oder Gelegenheitsnutzer:innen?
- Welche baulichen, visuellen und akustischen Gegebenheiten herrschen vor Ort?
- Passen die AV-Komponenten in die bestehende IT- und Netzwerklandschaft?
- Sind alle Komponenten verbindlich geprüft und termingerecht lieferbar?
Planbarkeit beginnt in der Logistik
Was macht ein Projekt für Integratoren planbar? Zekiri antwortet mit einem Wort: Verlässlichkeit. Das Material müsse vollständig, idealerweise vorkonfiguriert und pünktlich bei der Kundschaft ankommen.
«Wenn es irgendwo klemmt, erwarte ich von meinem Partner kein Hinhalten, sondern dass er sofort den Hörer in die Hand nimmt.»
Diesen Anspruch stellt Zekiri auch an sich selbst. Brennt es in einem Projekt, etwa weil kurz vor der Fertigstellung eine Schlüsselkomponente ausfällt, soll der Distributor die erste Anlaufstelle sein. Gemeinsam mit dem Partner analysiert er die Situation und findet rasch eine passende Lösung. So hält der Integrator seinen Termin, und seine Kundschaft merkt vom Engpass möglichst wenig.
Alltron als Ansprechpartner für Projekte über mehrere Disziplinen
Pro-AV-Projekte greifen immer öfter in andere Bereiche über. Sie reichen von der Raumkamera über den Arbeitsplatz und die Server-Anbindung bis zu physischer Sicherheit und KI-gestützter Sensorik.
Alltron bündelt dafür die Kompetenzen im BASS-Team (Brack Alltron Specialist Sales). Es besteht aus vier Säulen: ProAV & UCC, Modern Workplace, Datacenter sowie Physical Security & Physical AI. Integratoren sollen so für ein übergreifendes Projekt nicht mit vier verschiedenen Ansprechpartner:innen verhandeln müssen. Was sie brauchen, sagt Zekiri, sind Sparringspartner, «keine reinen Schachtelschieber».
Was jetzt konkret hilft
Pro-AV-Projekte werden heute an den Schnittstellen gewonnen oder verloren. Wer früh plant, IT und Bau mitdenkt und die Lieferkette absichert, gewinnt auf der Baustelle Zeit und bei der Endkundschaft Vertrauen. Genau dabei unterstützt Alltron als Distributor: von der Planung über die Produktauswahl bis zur termingerechten Lieferung.
Wie plant man ein Pro-AV-Projekt richtig?
Ein Pro-AV-Projekt gelingt, wenn Nutzung, IT, Bau und Lieferkette von Anfang an gemeinsam geplant werden. Fünf Punkte für Integratoren und Reseller:
- Vom Nutzungsszenario ausgehen: zuerst klären, wie der Raum genutzt wird, dann die Geräte wählen.
- IT und Facility Management früh einbinden, besonders bei Netzwerk, Verschlüsselung und Remote-Management.
- Akustik und Betrieb mitbudgetieren, inklusive Monitoring nach der Übergabe.
- Lieferfähigkeit vor der Offerte verbindlich mit dem Distributor prüfen.
- Bei grösseren Rollouts Vorkommissionierung und etappenweise Anlieferung einplanen.
Zurück zur Baustelle: Die Halterung, die nicht passt, und die Komponente im Lieferverzug wird es immer geben. Entscheidend ist, wie schnell daraus wieder ein Plan wird. Daran will sich Alltron künftig messen lassen, sagt Zekiri. Integratoren sollen Spezialist:innen gegenüberstehen, die die Technik im Detail verstehen, ihre Sprache aus eigener Praxis sprechen und zu ihrem Wort stehen.
«Damit unsere Partner bei ihren Endkunden glänzen können», sagt Zekiri. Für übergreifende Projekte steht das BASS-Team als Ansprechpartner für alle vier Disziplinen bereit.
Quelle Titelbild: KI-generiert mit ChatGPT (OpenAI)